Prof. Gerhard Kolde ist Facharzt für Hautkrankheiten am Dermatologischen Zentrum Berlin (Potsdamer Chaussee 80, Zehlendorf, Tel. 81 29 92 60). Mit ihm sprachen wir über Herpes und wie man ihn behandelt.
Wie ansteckend ist Herpes?
Mäßig. Die Viren können nur eine kurze Zeit bei normaler Zimmertemperatur überleben. Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich durch direkten Hautkontakt, etwa beim Küssen.
Ist man sicher vor Ansteckung, wenn man noch nie einen Herpes hatte?
Nein, man kann sich immer anstecken. Zumeist erfolgt die Erstinfektion im Kindesalter, dann nistet sich das Virus im Körper ein. Etwa 85 Prozent der Erwachsenen tragen ihn in sich. Das bedeutet aber nicht, dass die Krankheit auch bei jedem ausbrechen muss.
Gibt es Menschen, die besonders gefährdet sind?
Ja, alle die ein geschwächtes Immunsystem haben. Auch wer sich extremer Sonnenstrahlung aussetzt, kann Herpes bekommen.
Ist ein Hausmittel wie Honig eine Alternative zu Salben aus der Apotheke?
Honig oder Zahnpasta wirken bei manchen Betroffenen sogar besser als die chemischen Cremes - die ohnehin nicht mehr ansprechen, wenn Herpes ausgebrochen ist.
Kann Herpes auch schwerwiegende Krankheiten auslösen?
Kritisch wird es, wenn die Infektion immer weiter auf andere Körperteile übergeht, vor allem auch, wenn das Auge betroffen ist. Außerdem kann es zu einer so genannten Sekundärinfektion kommen, bei der die infizierte Stelle von Bakterien befallen wird. Es bilden sich dann größere Hautdefekte mit gelblichen Krusten, die schmerzhaft sind und länger als fünf Tage bleiben.
Wie schützen sich Kontaktlinsenträger vor einer Ausbreitung auf das Auge?
Kontaktlinsen können weiterhin getragen werden, aber man sollte darauf achten, dass Linsen und Augen nicht mit dem Herpes in Berührung kommen. Vor dem Einsetzen der Kontaktlinsen also gründlich die Hände waschen.
Interview: Sandra Babing
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Foto: Prof. G. Kolde, Hautarzt