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Die hl. Elisabeth von Thüringen heilt einen Aussätzigen.
Die sieben Werke der Barmherzigkeit der Heiligen Elisabeth. Wandgemälde auf der Wartburg von Moritz von Schwind. In: Kunstgaben für Schule und Haus. Herausgegeben von W. Günther (Hamburg), Heft 14. Verlag von Georg Wigand, Leipzig 1911

Lepra und Psoriasis - Die heilige Elisabeth von Thüringen und der Bettler Elias

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erkannte der Wiener Dermatologe Ferdinand Ritter von Hebra (1816-1880), daß die Psoriasis eine eigenständige Krankheit ist, die nichts mit Lepra (Aussatz) zu tun hat. Noch heute kommt es in wärmeren Länder nicht selten vor, daß Psoriasis mit der ansteckenden und unbehandelt zu fortschreitendem Siechtum führenden Lepra verwechselt wird. In Mitteleuropa setzte seit dem Spätmittelalter ein drastischer Rückgang der Lepra ein. Ein wesentlicher Grund hierfür wird in dem nach Einführung der Kartoffel als Grundnahrungsmittel wesentlich verbessertem Ernährungszustand der Bevölkerung gesehen. 

Zur Zeit der Kreuzzüge grassierten in Europa verheerende Lepra-Epidemien, die  aus Nordafrika eingeschleppte worden waren. Die Bezeichnung „aussätzig“ rührt daher, daß die Kranken aus der Gesellschaft ausgesetzt wurden. Sie mußten ein kuttenähnliches  Gewand, die Lepratracht, tragen und sich bei Annäherung an Gesunde durch Warnsignale mittels Siechenschellen oder Lepraklappern bemerkbar machen. Während die Leprösen in der Antike weder behandelt noch verpflegt worden waren, veränderte sich mit der Verbreitung des Christentums die Einstellung der Gesunden zu den Leprakranken. Zunehmend wurde der Dienst am Leprösen als ein Dienst am leidenden Christus angesehen, der auch dem eigenen Seelenheil dienlich war. 

Die ungarische Königstochter und Gemahlin des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen Elisabeth (1207-1231) hatte sich als junge Fürstin der radikalen religiösen Armutsbewegung der Franziskaner angeschlossen. Deren Ideal befreiender Besitzlosigkeit und Elisabeths aufopferungsvolles Sorge um Arme und Kranke wurde von ihrem Mann mitgetragen, von der Familie aber mehr als skeptisch betrachtet. Es wird von Wundern berichtet, deren einziger Zeuge der Landgraf und Ehemann war. 

Die Sage vom aussätzigen Bettler Elias wurde von Ludwig Bechstein (1801-1860) zu Papier gebracht. In traulicher Waldstille in der Nähe Eisenachs lebte in einer kleinen Höhle ein Einsiedler, genannt der arme Eli. Dieser war krank und nicht von sauberem Ansehen. Aber Elisabeth pflegte und wusch ihn und ließ ihn nach dem Bade in ihr Ehebett legen. Eines Tages kam der Landgraf vorzeitig zurück und seine Mutter lief ihm entgegen und begann spöttiglich: Lieber Sohn komm¢ mit mir, ich will Dir ein Wunder zeigen, das Deine Elisabeth getan. Er zog rasch die Decke vom Bett, da tat Gott seine inneren Augen auf, daß er im Bette nichts fand, als ein gekreuzigt Christusbild. Zu Elisabeth sprach der Landgraf: Meine liebe Schwester, halte fest an Deinen Tugenden, und laß Dich durch Niemand irren, ich werde Deine Milde nie an Dir rächen und tadeln. Jener arme Eli aber genas und ward ein frommer Klausner. 

Was kann an dieser Geschichte nicht stimmen? Die Diagnose. Lepra war damals unheilbar. Der Bettler Elias aber genas.

Text: H. Meffert




 






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