In der Regel bricht die Psoriasis (Schuppenflechte) erstmals im frühen Erwachsenenalter aus. Anfangs sind ihre Anzeichen uncharakteristisch und so vergeht einige Zeit bis zur richtigen Diagnose. Diese trifft den Erkrankten wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Davon erholt man sich nach einiger Zeit. Psoriasis ist eine Dame, die erwartet, daß man sich um sie kümmert. Sie verläuft schubweise und ist oft unberechenbar – im Guten wie im Bösen. Da Sie auch nach erfolgreicher Behandlung damit rechnen müssen, künftig wieder von ihr belästigt zu werden, lohnt es sich, Ihre ganz spezielle, eigene Schuppenflechte genau kennen zu lernen.
Mindestens dreierlei müssen Sie über Ihre Psoriasis wissen
- welche Umstände zum Ausbruch oder zur Verschlechterung führen (z. B. Ärger, Erkältung, Halsschmerzen, Übergewicht, Sonnenbrand – aber auch Mangel an Sonnenschein, chronische Entzündungen, Allergien)
- welche Behandlungsmethoden gut wirksam sind und welche Sie nicht vertragen
- welche Salben oder Tabletten Sie zur Zeit anwenden, wie diese genau (!) heißen und wie man richtig mit ihnen umgeht.
Keine Schuppenflechte ist wie die andere. Deshalb verfügt eine gut ausgestattete Hautarztpraxis über ein umfangreiches Arsenal von Behandlungsmethoden. Das reicht von der Anwendung spezieller Salben, Tabletten oder Spritzen, Bestrahlung mit Sonnenschein oder künstlichem Ultraviolett (UV) bis hin zur Lasertherapie. Diese Behandlungsmethoden sind speziell auf Schuppenflechte ausgerichtet und verlangen von Ihnen Wissen und Können.
In der Regel erfordern
- scheinbar einfache Behandlungsmethoden - wie das Einsalben oder Sonnenbaden – spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten, während
- die Anwendung von Spitzentechnologie - wie der Excimerlaser – für den Behandelten unkompliziert ist.
Keine Angst. Wir werden Ihnen alles erklären.
Eine weitere Regel ist hilfreich
- Schuppenflechte im akuten Stadium vorsichtig behandeln
- im chronischen intensiv.
Behandlung beginnt mit Entschuppen
Wegen der überstürzten Erneuerung ihrer Zellen bildet die Haut viel mehr und viel größere Schuppen. Einige davon haften fest an der Hautoberfläche und behindern das Eindringen von Salben und UV-Strahlen in die erkrankte Haut. Zum Entfernen der Schuppen genügen oft einfache Cremes. Bei besonders hartnäckigen Schuppen werden Salben mit Harnstoff oder Salizylsäure (letztere niemals großflächig auftragen!) verwendet. Für den behaarten Kopf bewährt sich eine mit Wasser abwaschbare Creme (Ungt. emulsific. aquos. SR) oder ein gut verträgliches Shampoo. In besonders hartnäckigen Fällen wird in Öl gelöste Salizylsäure als sogenannte Salizylsäure-Öl-Kappe über Nacht angewendet. Das ist eine wirksame, wenn auch lästige Prozedur. Angenehmer ist es, hierfür ein spezielles, mit Wasser abwaschbares Öl zu verwenden, das nur eine Stunde auf der Kopfhaut bleibt und dann einfach ausgewaschen wird. Bad oder - besser - Sauna sind hilfreich.
Die Kunst des Salbens
Regelmäßiges Einsalben kann lästig werden. Doch kann man auf diese Weise große Mengen heilsamer Wirkstoffe ohne Umwege an den Krankheitsort bringen. Ohne Umwege bedeutet auch, daß die Wirkstoffe auf diese Weise – anders als bei Tabletten oder Spritzen – innere Organe nicht oder kaum erreichen. Unerwünschte Nebenwirkungen oder Spätfolgen an inneren Organen werden somit weitaus weniger wahrscheinlich. Deshalb sollte man im Zweifelsfalle das wenig attraktive Einsalben dem bequemen Schlucken von Tabletten vorziehen.
Die Kunst des Salbens will erlernt sein. Viele wirkstoffhaltige Salben sollen sparsam und nur einmal täglich angewendet werden. Mit Gummihandschuh oder Fingerling einmassieren! Verwendet man zum Einmassieren eine Kinderzahnbürste, so begünstigt man das Eindringen des Wirkstoffs in die kranke Haut und hilft gleichzeitig beim Entfernen der Schuppen.
Eine besonders schonende wie wirksame Methode der Salbenbehandlung wird als Kurzkontakttherapie bezeichnet. Hierfür beläßt man den Wirkstoff Dithranol (Cignolin) minimal nur eine Minute lang auf der Haut, um ihn dann abzuduschen. Innerhalb dieser einen Minute dringt eine therapeutische Menge Dithranol in die kranke Haut ein, nicht aber in die gesunde. Dadurch wird die unnötige und schlecht vertragene Belastung der gesunden Haut vermieden. Kurzkontaktherapie mit Dithranol ist ein effektives Verfahren zur Behandlung ausgedehnter, mittelschwerer Psoriasis.
Tabletten und Spritzen
Bei besonders schwerer Psoriasis können Tabletten oder Spritzen unvermeidbar sein. Das trifft auch auf die Gelenkerkrankung der Psoriasis (Psoriasis arthropathica) zu. Hierfür stehen verschiedenartige Medikamente zur Verfügung. Bei deren Auswahl müssen Besonderheiten wie weitere Erkrankungen und der Zustand innerer Organe berücksichtigt werden. Mit einigen dieser Medikamente haben wir Erfahrungen über Jahrzehnte gesammelt. Andere sind erst seit wenigen Jahren zugelassen. Die jüngsten, hervorragend wirksamen, leider noch sehr kostspieligen derartigen Medikamente werden als „Biologicals“ bezeichnet. Für die Kostenübernahme bei „Biologicals“ haben die Krankenkassen hohe Hürden errichtet. Der Arzt muß nachweisen, daß bestimmte Behandlungsmethoden erfolglos angewendet wurden bzw. nicht angewendet werden dürfen. Leider muß hier angemerkt werden, daß auch die Kosten für andere Medikamente – so beispielsweise auch für Harnstoff enthaltende Salben – von den oder einigen Krankenkassen nicht erstattet werden.
Excimer-Laser
Bei der Entwicklung der Excimer-Laser-Therapie der Psoriasis stand der UV-Anteil des Sonnenscheins (290-400 nm) Pate. Bekanntlich wirkt Sonne – richtig angewandt – hervorragend auf die kranke Haut. Das verdanken wir einem schmalen Ausschnitt (304-314 nm) aus dem Spektrum der UV-Strahlung. Ein spezieller Laser vermag gebündelte Energie mit hoher Leistung ziemlich genau aus der Mitte (309 nm) des gegen Psoriasis wirksamer Anteils abzugeben. Die Behandlung ist schnell und komfortabel. Sie empfiehlt sich zur Behandlung besonders störender Stellen im Gesicht, an den Händen, im Intimbereich oder auch an Stellen, die man bei Salbenbehandlung nur schlecht erreicht.
Text: H. Meffert
Häufige Fragen zur Psoriasis
Wie soll ich mich ernähren?
Erfreulicherweise hat die Entstehung der Psoriasis nichts mit Nahrungsmittelunverträglichkeit zu tun. Sie dürfen so ziemlich alles essen, was Ihr Herz begehrt – aber in Maßen. Noch besser ist es, sich langsam aber sicher weniger Kalorien als vordem zuzuführen. In mehreren Studien ist nachgewiesen worden, dass sich die Psoriasis meist sogar schon bei bescheidener Gewichtsabnahme zu bessern beginnt. Besonders wirkungsvoll sollen sein
• kalorienarme Nahrung
• mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie sie in Fischöl vorkommen
• Möhren, Tomaten und frisches Obst.
Wie soll ich mich waschen?
Die nicht befallene Haut des Psoriasiskranken hält die in der Wohlstandsgesellschaft üblichen Waschprozeduren genau so gut oder genau so schlecht aus wie die eines sogenannten “Hautgesunden“. Zum Entfernen der Schuppen ist kräftiges Bürsten nicht zu empfehlen. Besser ist es, vor der Salbenbehandlung zu baden oder – noch besser – eine Sauna aufzusuchen. Manche Psoriasiskranke schwören auf rückfettende Badezusätze. Bereits Kleopatra bewahrte sich ihre Schönheit durch das Baden in Milch und Olivenöl. Das können Sie auch:
- 1 Teelöffel Olivenöl + ¼ Liter Milch mit Schneebesen oder Mixstab emulgieren, bis keine Fettaugen mehr erkennbar sind
- die Emulsion dem Badewasser zugeben
- keine Seife oder schäumenden Zusätze verwenden (auch wenn sich dann ein Schmutzrand bildet)
- nach dem Bade die Haut abtupfen, nicht frottieren
- abschließend wirkstoffhaltige- oder Pflegesalbe auftragen.
Wann und wo soll ich den Urlaub verbringen?
Durch Kälte und niedrige Luftfeuchte kann sich der Zustand der Haut verschlechtern. Warmes Wetter bekommt der kranken Haut gut. Noch besser ist es, vernünftiges Sonnenbaden mit dem Baden in Salz- oder Süßwasser zu kombinieren. Alleinige Wasseranwendung bessert die Schuppenflechte nicht. Klimatherapie soll oft wiederholt werden, um die Gesundheit zu stabilisieren.
Wie wäre es, den Urlaub versuchsweise in Art einer Kur zu verbringen? Das kann viel lustiger und komfortabler werden als es jetzt klingt. Angeboten werden solche Aufenthalte an der Ost- und Nordsee, im Mittel- und Hochgebirge und auch in sehr sonnenreichen Gegenden, wie z. B. am Toten Meer. Auch in unseren, von der Sonne nicht gerade verwöhnten Breitengraden sind inzwischen viele Kurkliniken mit ausgezeichneten, ganzjährig nutzbaren Anlagen zur Sole- und Lichtbehandlung der Psoriasis ausgestattet. Mein Tipp: Man suche sich eine auf Psoriasis spezialisierte Kurklinik in einer auch als Urlaubsziel ersehnenswerten Gegend aus, miete sich im Hotel oder einer Pension ein und nutzt die Angebote der Kurklinik (teilweise) als sogenannter Externer.
Wie finde ich die richtigen Pflegeprodukte für meine Haut?
Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, die Kosmetikerin in der Hautarztpraxis, die sympathische Mitpatientin im Wartezimmer. Lesen Sie die oft hervorragenden Informationen von Selbsthilfegruppen, beispielsweise den periodisch erscheinenden Ratgeber „PSO aktuell.“ Richtig sind diejenigen Pflegeprodukte, die Sie auch nach längerer Zeit gern - weil angenehm, beruhigend und nicht hautreizend – anwenden.
Macht ein Entspannungsverfahren Sinn?
Die Veranlagung zur Psoriasis wird vererbt. Diese genetische Bombe kann durch sehr unterschiedliche Zünder zur Explosion gebracht werden. Ein wichtiger Zünder ist Stress. Ein Entspannungsverfahren macht immer dann Sinn, wenn Angst, Aufregung, Ärger, Überlastung oder Unzufriedenheit den Krankheitsverlauf offenbar ungünstig beeinflussen. Auch quälender Juckreiz oder Schlafstörungen können so behandelt werden. Die Auswahl des Entspannungsverfahrens ist subjektiv. Der Schulmediziner wird autogenes Training, Gruppentherapie oder auch Hypnose empfehlen, andere vielleicht eher Bioresonanz oder Yoga. Auch freudvolle Vereinsarbeit kann im gruppentherapeutischen Sinne wirksam sein.
Was kann ich tun, dass meine Haut die Kortison-Salbe gut verträgt?
Das ist eine Frage des sinnvollen Umgangs. Eigentlich ist Kortison ein segensreicher Wirkstoff. Es sollte jedoch nur in akut-entzündlichen Phasen der Psoriasis, und dann in Kombination mit anderen Wirkstoffen – beispielsweise mit sogenannten Retinoiden - und stets sparsam angewendet werden. Bei übermäßiger, ununterbrochener Anwendung droht vorzeitige Alterung der betroffenen Haut. Die durch übertriebene Kortisonanwendung verschuldete Hautalterung ähnelt der durch übermäßige Lichteinwirkung verursachten. Schon deshalb sollten Sie niemals einen Sonnenbrand riskieren!
Wie lässt sich der Kortisonverbrauch verringern?
Kortisonsalbe wird nur mit Wissen des behandelnden Arztes und in der Regel nur einmal täglich dünn aufgetragen. Nicht selten schreit dann die kranke Haut schon nach Stunden wieder nach Salbe. Wohlgemerkt, sie schreit nach Salbe, nicht nach Kortisonsalbe. Deshalb bekommt sie dann eine kortisonfreie Pflegesalbe. Dieses Vorgehen wird als Tandem-Therapie bezeichnet.
Auch die Wirksamkeit der besten Kortisonsalbe nimmt mit der Zeit ab. Die Krankheit gewöhnt sich an das Kortison (Tachyphylaxie). Deshalb sollte die Kortisonbehandlung regelmäßig unterbrochen werden. Das bezeichnet man als Intervalltherapie. Anstelle mit Kortisonsalbe wird mit Pflegesalbe eingekremt. Intervalltherapie verhindert oder vermindert Kortisonnebenwirkungen. Praktikabel sind kortisonfreie Wochenenden. Anzustreben sind kortisonfreie Intervalle von 1– 2 Wochen. Also, nicht vergessen
- Kortisonsalbe einmal täglich
- Pflegesalbe so oft wie der Haut danach ist
- Am Wochenende hat die Haut kortisonfrei.
Text: H. Meffert
Neue Wege in der Psoriasis-Behandlung Die Psoriasis (Schuppenflechte) gehört zu den häufigsten Hautkrankheiten. Allein in Deutschland leiden etwa 2,5 Millionen Menschen unter dieser chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankung. Obwohl nicht ansteckend, fühlen sich die Betroffenen oft stigmatisiert und sozial ausgegrenzt. Die Behandlung der Psoriasis hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Für die Lokalbehandlung wurden hoch wirksame Vitamin-D-Präparate entwickelt. Diese sind besser verträglich als Kortison-haltige Salben und einfacher zu handhaben als Cignolin und andere Teer-haltige Präparate. Die Behandlung mit UVA- und UVB-Licht, die nach wie vor eine bedeutende Rolle spielt, wurde optimiert. Daneben wird heute mit Erfolg eine Bestrahlung der Hautläsionen mit dem UVB-Laser durchgeführt. Zu den größten Erfolgen der modernen Psoriasis-Therapie zählt zweifellos die Einführung von biologisch hergestellten Medikamenten. Diese so genannten Biologics blockieren gezielt die der Krankheit zugrunde liegenden Entzündungsvorgänge, so dass auch anders kaum zu behandelnde und schwere Formen der Psoriasis erfolgreich therapiert werden können.
Text: G. Kolde
Selbsthilfe Psoriasis
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